Zielgruppe: Acht bis achzig 
Der Markt für Jugend- und Seniorenreisen gehört
den Spezialisten. Denn nur sie haben die Erfahrung und das Gespür
für die Trends bei jungen Leuten und die besonderen Ansprüche der
älteren Semester
Von Tobias Wiethoff
Zeltlager, Küchendienst, Nachtwanderungen - wer sich
Jugendreisen so vorstellt, lebt nicht auf der Höhe der Zeit. "Party
vom Feinsten" wird als aktuelle Parole im Katalog von RUF
Jugendreisen ausgegeben. Die dazugehörigen Fotos zeigen die
Nachwuchs-Touristen unter südlicher Sonne, bei Trendsportarten wie
Surfen oder Beachvolleyball oder in der Discothek. Alternativ stehen
sieben Clubdörfer zur Auswahl, stets in der Nähe zu Strand, Shopping
und Nightlife gelegen, wie der Bielefelder Veranstalter verspricht.
"Wir bieten den Einstieg in die Pauschalreise", sagt
RUF-Sprecher Thomas Gehlen. Nach dem Eindruck des Katalogs könnte
man auch vom Einstieg in die Spaßgesellschaft sprechen. Das freilich
wäre ungerecht, findet Stephan Schiller von der Ferienbörse des
Bundesforums Kinder- und Jugendreisen, einem Dachverband im Dienst
der Qualitätssicherung. Der Komfort und die Professionalität der
Angebote hätten in letzter Zeit zwar deutlich zugenommen. Trotzdem
könnten sich Jugendliche aber auch für gruppendynamische Erlebnisse
etwa auf einer gemeinsamen Klettertour begeistern. Gerade RUF zähle
als Deutschlands Marktführer für betreute Jugendreisen zu den
seriösen Anbietern, die auch Wert auf das pädagogische
Begleitprogramm legten. So kommt in der untersten Altersgruppe (zehn
bis dreizehn Jahre) ein Betreuer auf sechs bis acht
Reiseteilnehmer.
Als Anbieter traten früher fast ausschließlich
gemeinnützige Vereine in Erscheinung, meist mit kirchlichem oder
sportbewegtem Hintergrund. Auch RUF wurde 1981 von Studenten der
Freizeitpädagogik als basisdemokratischer Verein gegründet.
Inzwischen sind jedoch die gewerblichen Veranstalter
auf dem Vormarsch. Ihre Kundenorientierung und der Rückgang der
Geburtenrate hat auch die Gemeinnützigen zum Umdenken gezwungen.
"Wir durften nicht altbacken bleiben", sagt Jupp Hahnrath vom
Jugendferienwerk des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen in
Duisburg. Zu den Zielen der rund 250 meist sommerlichen
Gruppenreisen gehören heute Ibiza, Rimini und Mallorca, und auch die
Katalogsprache ist der von RUF vergleichbar: "Party, Shopping,
Sport", lautet der eingängige Dreiklang. Der soziale Anspruch wird
deswegen nicht fallen gelassen. "Bei uns ist auch der Einzelreisende
Teil einer starken Gemeinschaft", so Hahnrath.
Mit verschulten Angeboten oder gar dem pädagogischen
Zeigefinger lassen sich Jugendliche im Urlaub aber nicht mehr
erreichen, da sind sich gewerbliche und gemeinnützige Anbieter
einig. Alles müsse spaßig inszeniert werden, sagt RUF-Sprecher
Gehlen, auch der Sprachkurs. Die Entwicklung geht hin zum
"Trendhopping": Surf- oder Tenniscamps finden die meisten schon zu
eintönig. Sie wollen alles, aber von allem nur ein bisschen. Auch
Wellness - besonderer Schwerpunkt: Hautberatung - steht mittlerweile
hoch im Kurs. Zwischen 500 und 800 Euro müssen für 14 Tage in einem
spanischen RUF-Club aber schon gezahlt werden.
Manchmal geht der Job des Reisebegleiters ganz schön an
die Knochen. Wer etwa beim Veranstalter Studiosus Seniorenreisen
betreuen möchte, muss vorher sein Einfühlungsvermögen in die
Zielgruppe trainiert haben. Dazu dient der "Age Explorer", eine Art
Astronautenanzug, der Zeitreisen ermöglicht: ins eigene Rentenalter.
Bandagen und Bleigewichte simulieren eingeschränkte Beweglichkeit.
Ein Helm sorgt dafür, dass dem Träger in realistischem Maße auch das
Hören und Sehen vergeht. "Danach weiß man, wie beschwerlich Reisen
für ältere Menschen sein können", sagt Hans-Dieter Lohneis, bei
Studiosus verantwortlich für die Produktlinie "Reiseträume".
Mit dem im vergangenen Herbst eingeführten
Senioren-Programm rechnet sich der Münchner Veranstalter aus
zweierlei Gründen Chancen aus: Zum einen soll der Markt für Reisen
in der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren bis 2010 um knapp ein
Drittel wachsen, zum anderen ist die Konkurrenz überschaubar. Die
Großen der Branche wie TUI und Neckermann bieten zwar preisgünstig
die Möglichkeit zum Überwintern im Süden, die vor allem von Senioren
gern genutzt wird. Maßgeschneiderte Angebote für die ältere
Kundschaft gibt es im Reisebüro aber wenige.
Der "Reiseträume"-Katalog, gedacht für fortgeschrittene
Senioren ab 70 Jahren, soll hier Abhilfe schaffen. Versprochen wird
ein "niveauvolles Umfeld" in kleinen Gruppen. Die Reisen führen
nicht nur ins Salzkammergut oder ins Tessin, sondern bis nach
Südafrika und China. Ein Arzt ist auf Fernreisen immer mit dabei.
Darüber hinaus werden den Teilnehmern mancherlei Handreichungen
angeboten, etwa ein Abhol- oder ein Kuriergepäckservice bei der
Anreise. Die komfortabel eingerichteten Hotels verstehen sich auch
auf Diätküche.
Zum Urlaubsgenuss soll aber vor allem ein entspannter
Zeitplan beitragen: Zwischen Ankunft und Abendessen liegt eine
zweistündige Pufferzone; die Anzahl der Kaffee- und Toilettenpausen
ist großzügig berechnet.
Wie die Buchungen zeigten, habe der
"Reiseträume"-Katalog ins Schwarze getroffen, heißt es bei
Studiosus. Das war nicht selbstverständlich, denn außer dem grauen
Haarschopf des abgebildeten Models deutet nichts auf die umworbene
Zielgruppe hin. Lediglich von einem "bunten Urlaubsangebot für
Aktive" ist die Rede. Der Veranstalter folgt damit der in der
Branche verbreiteten Überzeugung, dass Senioren nicht als solche
angesprochen werden möchten. Erst kürzlich hat der in den neuen
Ländern aktive "Reiseklub" des Veranstalters Monorama die
Präzisierung "für Senioren" aus seinem Namen gestrichen.
Hapag-Lloyd will sein Programm "fit & aktiv -
Seniorentreff" ebenfalls liften. Die neue Marke "50plus-Reisen nach
Maß" setzt die Altersschwelle psychologisch deutlich niedriger
an.
Dass es auch unverblümt geht, beweist der Veranstalter
Skan-Tours mit seinem "Skan-Club 60plus". "Seniorenreisen" heißt es
auf dem Titelblatt des Kataloges frank und frei. Trotzdem hat der
Club nach eigenen Angaben seit seiner Gründung vor sieben Jahren
200.000 Mitglieder gefunden. Auch sonst wird mit dem Seniorenbegriff
offensiv umgegangen: Wer die Grenze von 60 Jahren unterschreitet,
muss "Alterszuschlag" zahlen.
Anbieter von Jugendreisen:
RUF Jugendreisen, Tel. 0521/96 27 20, Fax 962 72 27
Jugendferienwerk NRW, Tel. 01805/93 36 33, Fax 93 36
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Ferienbörse, Tel. 0341/960 67 36, Fax 960 67 26
Anbieter von Seniorenreisen:
Studiosus, Tel. 089/500 60-0, Fax 50060-100
Skan-Tours, Tel. 0800/1231919, Fax 05371/89 33 99
Reiseklub, Tel. 0800/2936621, Fax 030/29 36 6110
Hapag-Lloyd, Tel. 0421/322 68 90, Fax: 322 68 49
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